Das Bindi-Symbol
Als einer der bekanntesten Körperschmucke hinduistischer Frauen auf dem indischen Subkontinent ist das Bindi-Symbol ein leuchtender Farbpunkt, der traditionell auf der Stirn zwischen den Augenbrauen aufgetragen wird. Zumeist ist dieser Punkt tiefrot gefärbt, kann jedoch auch in anderen Farben erscheinen. Das Wort „Bindi“ leitet sich vom Sanskrit-Wort Bindu ab, was wörtlich „Punkt“ oder „Tropfen“ bedeutet.
Das Auftragen dieses Zeichens blickt auf eine jahrhundertealte Tradition zurück: Ursprünglich trugen verheiratete Frauen rotes Kurkuma- oder Zinnoberpulver (Kumkum) in runder Form auf der Stirn auf, um ihren Ehestand anzuzeigen. Die rote Farbe steht für bedingungslose Liebe, Wohlstand, Würde und innere Stärke. Das Bindi besitzt eine tiefgehende spirituelle Bedeutung und symbolisiert Segen und weibliche Urkraft, die das Wohl der Frau und ihres Ehemannes behütet. Im antiken Indien galt das Bindi als unverzichtbarer Bestandteil weiblicher Festkleidung; bisweilen wurden kunstvoll zurechtgeschnittene Blätter auf die Stirn geheftet.
Die Platzierung des Bindis zwischen den Augenbrauen besitzt besondere spirituelle Tragweite: Dieser Bereich gilt im Yoga als Sitz der Weisheit und des verborgenen Wissens – das Ajna Chakra (das dritte Auge), welches die Konzentration bei der Meditation steuert. Es heißt, dass tiefe Meditation die schlummernde Kundalini-Energie am Fuße der Wirbelsäule erweckt und zum Gehirn aufsteigen lässt. Die Stelle zwischen den Augenbrauen gilt als Hauptaustrittspunkt dieser gewaltigen Energie; das Auftragen des Bindis soll helfen, diese vitale Kraft im Körper zu bündeln und den Intellekt zu schärfen.
Im Laufe der Zeit hat das Bindi seine rein religiöse Bindung erweitert und ist zu einem modischen Schmuckelement und ästhetischen Accessoire geworden, das heute auch von unverheirateten und nicht-hinduistischen Frauen geschätzt wird.
