Der Gehörnte Gott

Symbol of power, virility, the hunt

Das Symbol des Gehörnten Gottes besitzt tiefe Wurzeln in Europa und reicht bis in die Altsteinzeit zurück: Eine der frühesten bekannten Darstellungen ist die rund 15.000 Jahre alte Höhlenmalerei des „Zauberers“ in der Höhle von Trois-Frères in Frankreich (um 13.000 v. Chr.), die einen gehörnten Herrn der Tiere oder Großen Naturgeist abbildet. In der griechischen und mediterranen Mythologie begegnen Gottheiten wie Pan, Dionysos und der gehörnte Osiris als Herren der Fruchtbarkeit und der Naturkräfte. Im keltischen Heidentum wurde der Gott Cernunnos mit mächtigem Hirschgeweih verehrt – als Hüter der wilden Tiere, der Fruchtbarkeit, der Unterwelt, des Lebens und des Wohlstands.

Diese vorchristlichen Vorstellungen flossen in die moderne Naturreligion des Wicca ein, in der das Symbol des Gehörnten Gottes die männliche Polarität des Kosmos verkörpert. Der Gehörnte Gott ist im Wicca das gleichwertige, polare Gegenstück zur Großen Göttin.

In neueren Wicca-Traditionen steht der Lebenszyklus im Mittelpunkt: Der Gehörnte Gott befruchtet die Göttin, stirbt im Herbst mit der Ernte und wird in der Mittwinternacht (Jule) aus dem Schoß der Göttin von Neuem geboren. Er dient als Vermittler zwischen den Menschen und den unbegreiflichen Urkräften des Kosmos; seine schöpferische Hauptaufgabe ist die Erneuerung der fruchtbaren Natur.

In der Gegenwart repräsentiert das Symbol die neuheidnische Spiritualität und findet vielfach Eingang in Literatur und Mythologie.

Eine typische grafische Darstellung des Gehörnten Gottes besteht aus einer nach oben offenen Mondsichel über einem vollen Kreis: Die Hörner symbolisieren männliche Manneskraft, Mut und spirituelle Stärke; zugleich spiegelt die Sichel die Hörner des zunehmenden Mondes wider, der die Göttin begleitet.

Gehörnter Gott

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