Merkur
Symbol of messages, bridges, fertility, luck, music, life, death, heaven, earth
Der Name Merkur ruft vielfältige Bilder wach: Es gibt den römischen Gott Merkur, den Planeten Merkur und das chemische Element Quecksilber (Hydrargyrum) – jedes dieser Phänomene birgt eine reiche symbolische Bedeutung.
Der römische Gott Merkur gehörte zu den zwölf Hauptgöttern des antiken Pantheons. Er ist der Gott der Kommunikation, des finanziellen Gewinns, der Beredsamkeit, der Reisenden, der Botschaften, Grenzsteine, des Glücks, aber auch der Diebe und Schelme. Merkur diente zugleich als Seelenbegleiter (Psychopompos), der die Verstorbenen sicher in die Unterwelt geleitete. Er wird typischerweise mit einem geflügelten Hut (Petasos) und geflügelten Sandalen dargestellt, wie er den Caduceus – einen Heroldstab mit zwei umschlungenen Schlangen – in Händen hält. Zu seinen Begleitern zählen der Widder oder Ziegenbock als Symbole der Fruchtbarkeit, der Hahn für den Anbruch des neuen Tages und die Schildkröte, aus deren Panzer Merkur der Sage nach die erste Leier (Lyra) baute; darum wurde er auch als Schutzherr der Musenkünste verehrt. Merkur überbrachte Botschaften zwischen Göttern und Sterblichen und schützte den Handel. Römische Bürger trugen Münzen mit seinem Bildnis bei sich.

Römischer Gott Merkur
Der sonnennächste Planet Merkur wurde nach diesem flinken Gott benannt. Als Himmelskörper symbolisiert er den Abend- und Morgenstern, da er in der Dämmerung nahe am Horizont aufleuchtet. Das astrologische Symbol des Planeten Merkur verbindet die Mondsichel bzw. den geflügelten Helm über einem Kreis mit dem darunterliegenden Kreuz des Caduceus – ein Symbol sowohl der Astrologie als auch der Astronomie. Wer astrologisch von Merkur beherrscht wird, gilt als wortgewandt, anpassungsfähig, wissbegierig, kann jedoch auch zu Unentschlossenheit, innerer Unruhe und Kritiksucht neigen; Merkur regiert den täglichen Austausch und den Intellekt.

Das metallische Element Quecksilber erhielt seinen Namen wegen seiner faszinierenden Beweglichkeit nach dem Gott Merkur. Sein Elementsymbol Hg leitet sich von dem griechisch-lateinischen Wort Hydrargyrum („flüssiges Silber“ bzw. „Wassersilber“) ab. Im alten China wurde Quecksilber rituell verwendet, um Knochenbrüche zu heilen, Vitalität zu spenden und Unsterblichkeit zu erlangen; Spuren von Quecksilber wurden in Königsgräbern Ägyptens und Mexikos entdeckt. Im Altertum fand es Eingang in Salben und Kosmetika; die Maya nutzten flüssiges Quecksilber für Orakelspiegel. Im 19. Jahrhundert wurde es gegen Zahnschmerzen, Schwermut und Infektionen verabreicht; heute ist seine medizinische Verwendung in den meisten Industrieländern wegen der Toxizität verboten.

In der Alchemie galt Merkur als die Ursubstanz (Prima Materia) und personifizierte den flüchtigen Geist jedes Stoffes. Im alchemistischen Werk bildeten Merkur (das weibliche, flüssige Prinzip) und Schwefel (Sulfur, das männliche, feurige Prinzip) das königliche Paar, dessen Hochzeit das Gold hervorbrachte. Als einziges bei Raumtemperatur flüssiges Metall wurde Quecksilber auch „lebendiges Silber“ (Quicksilver) genannt. Wenn Quecksilber mit Salpetersäure reagiert, entstehen rote Kristalle und rote Gase – ein alchemistischer Prozess, der das Element zum tiefen Symbol für Leben, Tod, irdische Wandlung und himmlische Transmutation machte.