Das Heilige Chao
Das Heilige Chao (Sacred Chao) ist das zentrale Glaubenssymbol des Diskordianismus (Erisianismus) – einer philosophisch-religiösen Strömung, welche die griechische Göttin Eris (römisch Discordia), die Göttin des Chaos, des Zwistes und der schöpferischen Unordnung, verehrt. Eris gilt in der diskordischen Mythologie als Schwester von Aneris (Harmonia, der Göttin der starren Ordnung) und ihres Bruders, der Spiritualität. Die Gründung des Diskordianismus geht auf die Jahre 1958/59 zurück, als das Kultbuch Principia Discordia verfasst wurde.
Das Symbol des Heiligen Chao erinnert in seiner Zweiteilung an das fernöstliche Yin-Yang-Symbol: Es besteht aus einem Kreis, der in zwei Hälften geteilt ist, wobei die eine Seite ein gleichmäßiges Pentagon und die andere einen Goldenen Zankapfel birgt. Das Fünfeck verkörpert das aneristische Prinzip der Ordnung, während der Goldene Apfel des Zwistes das eristische Prinzip des Chaos und der Unordnung darstellt. Zusammengefügt bilden sie das sogenannte Hodge-Podge – das lebendige, unberechenbare Gleichgewicht von Ordnung und Chaos, das den gesamten Kosmos durchwirkt.
Als Emblem des Diskordianismus veranschaulicht das Heilige Chao die Grundüberzeugung dieser Philosophie: Chaos ist ein ebenso legitimer, unverzichtbarer Bestandteil der Wirklichkeit wie Harmonie und Ordnung. Starre Ordnung und Unordnung sind gleichermaßen menschliche Denkkonstrukte, die von den Vorurteilen des Betrachters geprägt sind. Eingeweihte Diskordier argumentieren, dass die moderne Zivilisation einseitig starre Ordnung anstrebe, ohne zu begreifen, dass dieser Zwang nur umso verheerendere Ausbrüche von Unordnung provoziert. Daher feiern sie das schöpferische Chaos, um das kosmische Gleichgewicht zu wahren.
Das Symbol wurde der Legende nach von dem alten Weisen Hung Mung als Schlüssel zur Erleuchtung offenbart. Das Wort Chao wird im Englischen ähnlich wie cow ausgesprochen, weshalb der Begriff zugleich als satirisches Wortspiel auf die „Heilige Kuh“ verstanden wird – jenen unantastbaren Status, den die Gesellschaft dem Dogma der Ordnung einräumt, während sie das Chaos verdammt.
