Die Tetraktys (Pythagoreisches Dreieck)
Die Tetraktys ist das heiligste Symbol der pythagoreischen Mysterienschule: ein mathematisch-philosophisches Modell, das von dem legendären Weisen, Philosophen und Mathematiker Pythagoras von Samos begründet wurde. Sie besteht aus genau zehn Punkten, die in vier horizontalen Reihen (mit einem, zwei, drei und vier Punkten von oben nach unten) zu einem aufstrebenden gleichseitigen Dreieck angeordnet sind. Das griechische Wort Tetraktys bedeutet wörtlich „Vierheit“.
In dieser heiligen Figur repräsentiert die erste Reihe mit einem einzigen Punkt die Ur-Einheit (Monas), den Schöpfer, das aktive göttliche Prinzip und die Weisheit. Die zweite Reihe mit zwei Punkten verkörpert die Zweiheit (Dyas), das empfangende Prinzip, Bewegung, Kraft und polare Spannung. Die dritte Reihe mit drei Punkten (Trias) versinnbildlicht die vollkommene Vereinigung von Geist und Materie – den Kosmos in vollendeter Harmonie. Die vierte Reihe mit vier Punkten (Tetras) steht für die vier Grundelemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft), die vier Jahreszeiten und die vier mathematischen Grunddisziplinen. Die Summe aller vier Reihen (1 + 2 + 3 + 4) ergibt die vollkommene Zehn (Dekas), die die Gesamtheit des Kosmos umschließt.

Zugleich beschreibt die Tetraktys die Entstehung des geometrischen Raumes: Ein Punkt bezeichnet die Dimension Null (der unteilbare Punkt); zwei Punkte verbinden sich zur ersten Dimension (die Linie); drei Punkte spannen die zweite Dimension auf (die Fläche / das Dreieck); vier Punkte formen die dritte Dimension (der dreidimensionale Körper / das Tetraeder).
Für die Pythagoreer war die Tetraktys der heiligste Eid: Auf sie schworen die Jünger, da sie die musikalischen Harmonien (Quarte 4:3, Quinte 3:2, Oktave 2:1) und die arithmetischen Baugesetze des gesamten Weltalls offenbart.