Der Goldene Zweig (The Golden Bough)

Der Goldene Zweig (The Golden Bough) wurde von dem schottischen Anthropologen James George Frazer verfasst und erstmals 1890 in zwei Bänden veröffentlicht. Die zweite Auflage erschien im Jahr 1900 in drei Bänden, und die dritte Auflage mit insgesamt zwölf Bänden wurde zwischen 1906 und 1915 publiziert. Als monumentales und grundlegendes Werk der vergleichenden Religionswissenschaft stellte Der Goldene Zweig den Versuch dar, Mythologie und Religion objektiv zu erörtern – nicht aus einem theologischen Blickwinkel, sondern aus der Perspektive menschlicher kultureller Erfahrung. Das Werk behandelte Religionen nicht als theologische Glaubenslehren, sondern als von Menschen geschaffene kulturelle Artefakte.

In Der Goldene Zweig unternimmt Frazer eine kulturübergreifende Untersuchung religiöser Bräuche und führt eine systematische Analyse zahlloser kultureller Zeugnisse aus verschiedenen Epochen und Weltregionen durch, mit dem Ziel, Gemeinsamkeiten im Verhalten und in den Bräuchen grundverschiedener Völker aufzuspüren. Er strebt danach, jene religiösen Aspekte zu klassifizieren und zu kommentieren, die vielen Kulturen auf der ganzen Welt gemeinsam sind. Dazu zählen soziale Übergangsriten wie Initiationsriten für Heranwachsende, Fruchtbarkeitsriten, Heiratsrituale, Toten- und Begräbnisbräuche, Kulte um sterbende und auferstehende Götter sowie Tier- und Menschenopfer zusammen mit den Praktiken der Theophagie (dem rituellen Gottverzehr) und des Kannibalismus.

Frazer war der Überzeugung, dass ein universelles mythisches Grundmuster die gesamte Menschheit durchdrungen habe und in nahezu allen Mythologien weltweit widerhalle. Dies umfasste einen zentralen Fruchtbarkeitsritus: die kultische Verehrung eines königlichen Opfers (Sakralkönigs), die irdische Inkarnation einer Gottheit und das anschließende Durchlaufen eines Zyklus aus ritueller Heirat, Opfertod und Wiedergeburt. Er behauptete, dass alle Weltreligionen die Vorstellung eines sterbenden und wiederauferstehenden Sonnengottes teilen und dass ältere Fruchtbarkeitskulte die eigentliche Quelle jener Rituale und Bräuche bildeten, die mit der Gottesverehrung verbunden sind. Er stellte zudem die geistesgeschichtliche Entwicklung der Menschheit dar: ausgehend von der Verehrung des Weiblichen über Fruchtbarkeitskulte und ein formalisiertes Pantheon von Göttern bis hin zum Monotheismus.

Der Goldene Zweig übte einen maßgeblichen Einfluss auf die Literatur und Philosophie seiner Zeit aus und gilt als klassisches Grundlagenwerk der frühen Anthropologie.

The Golden Bough

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