Islamische Symbole

So überraschend es für Uneingeweihte klingen mag: Der Islam rät traditionell von der Verwendung „heiliger Symbole“ in jener Art ab, wie Christen das Kreuz als Sinnbild ihres Glaubens nutzen oder wie das Judentum durch die Menora oder den Davidstern repräsentiert wird. Frühe muslimische Gelehrte und Autoritäten untersagten den Gebrauch geometrischer Formen zur symbolischen Darstellung des Islam. Aus diesem Grund trugen frühe islamische Münzen keine bildlichen Symbole, sondern waren stattdessen mit arabischer Schrift bedeckt.

Farbe

Trotz des Bilderverbots fand Symbolik dennoch Eingang in viele Bereiche der islamischen Welt. Symbole werden genutzt, um eine Verbundenheit mit islamischen Traditionen und Glaubensinhalten zu vermitteln. So heißt es beispielsweise im Koran (Sure 18:31), dass jene, die das Paradies bewohnen, „Gewänder aus feiner grüner Seide“ tragen werden. Dieser Vers wurde im Laufe der Jahrhunderte dahingehend interpretiert, dass die Farbe Grün – wenngleich nie auf offizieller Ebene dekretiert – seit langer Zeit eng mit dem Islam verknüpft ist. Koranausgaben sind häufig in grüne Einbände gebunden, Moscheen werden vorzugsweise in Grüntönen ausgeschmückt, die Grabstätten von Sufi-Heiligen werden mit grüner Seide verhüllt und die Farbe Grün nimmt auf den Flaggen vieler muslimischer Staaten einen herausragenden Platz ein.

Die Farbe Weiß ist universell als Sinnbild für Frieden und Reinheit bekannt. Viele Muslime kleiden sich für das Freitagsgebet in Weiß. Schwarz gilt in vielen Kulturen der Welt als Farbe der Trauer, im Islam symbolisiert es jedoch Bescheidenheit und Schicklichkeit. Rot, obwohl für Muslime von keiner spezifischen religiösen Bedeutung, ist auf den Flaggen vieler muslimischer Länder weit verbreitet.

Diese vier Farben – Grün, Schwarz, Weiß und Rot (panarabische Farben) – sind die dominierenden Farben auf den Flaggen der meisten arabischen Staaten.

Stern und Mondsichel (Hilal)

Stern und Halbmond sind heute zweifellos die bekanntesten Symbole des Islam. Sie krönen die Spitzen von Moscheen und Minaretten und bilden das Hauptelement auf vielen Flaggen islamisch geprägter Länder, wie etwa auf den Nationalflaggen der Türkei und Pakistans. Viele Historiker weisen darauf hin, dass dieses Symbol ursprünglich aus dem Osmanischen Reich stammte und keineswegs rein islamischen Ursprungs ist. Es handelt sich um ein klassisches Beispiel kultureller Diffusion. Als sich der Islam unter den osmanischen Türken ausbreitete, die dieses Symbol auf ihren Bannern führten, wurde es allmählich auch mit dem Islam als Ganzem assoziiert. Diese Kontroverse besteht bis heute fort. Befürworter der Mondsichel als Symbol des Islam berufen sich auf bestimmte Verse im Koran, und viele islamische Nationen und Organisationen binden die Mondsichel heute in ihre Wappen oder Flaggen ein (wie der Rote Halbmond).

Stern und Mondsichel

Weitere islamische Symbole

Bestimmte in arabischer Kalligrafie geschriebene Worte gelten als visuelle Repräsentationen des Islam, insbesondere das Wort „Allah“ oder das islamische Glaubensbekenntnis, die Schahāda. Das Schwert (Dhu l-faqar) ist ein schiitisches Symbol, das mit Imam Ali verknüpft ist, von dem es heißt, er habe mit diesem Schwert für den Islam gestritten. Ein spezifischer Ort, der für Muslime das Paradies („Dschanna“) symbolisiert, sind die Gärten des Mogulreiches in Indien. Obwohl der Koran keine bestimmte Farbe oder kein bestimmtes grafisches Symbol als Repräsentanten des Islam vorschreibt, sind diese Zeichen das Ergebnis des Verständnisses und der Interpretation muslimischer Denker, Herrscher und Künstler im Wandel der Jahrhunderte.

Rub al-Hizb

Das Rub al-Hizb ist eine bedeutende geometrische Figur, die eng mit der islamischen Tradition verbunden ist. Es handelt sich um ein Symbol aus zwei sich überlagernden Quadraten, von denen eines um 45 Grad gedreht ist, wodurch ein achtzackiger Stern entsteht, in dessen Zentrum sich gewöhnlich ein kleiner Kreis befindet. Im Arabischen bedeutet „Rub“ Viertel und „Hizb“ eine Gruppe oder Abteilung. Es wird in der arabischen Kalligrafie verwendet, um das Ende eines Kapitels zu kennzeichnen, und erscheint im Koran am Ende einzelner Abschnitte. Der Text des Korans ist traditionell in sechzig Hizb (Abschnitte gleicher Länge) unterteilt, und jeder Hizb ist wiederum in vier Viertel (Rub) gegliedert.

Das Rub-al-Hizb-Symbol findet sich auf verschiedenen Flaggen, Emblemen und Staatswappen, wie etwa jenen von Marokko, Turkmenistan und Usbekistan.

Rub al-Hizb

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